Meldungen Archiv

Kooperation zwischen Landwirten und den Stadtwerken Traunreut

24.11.2020

Wie kann der Wasserschutz im Ackerbau verbessert werden?

Versuchsfeld Zwischenfrüchte Walchenberg
Versuchsfeld Zwischenfrüchte Walchenberg

Wasser ist unser Lebensmittel Nr. 1. Wir sind es gewohnt, frisches Trinkwasser in bester Qualität und beliebiger Menge zur Verfügung zu haben, was dazu verleiten kann, diesen hohen Standard als selbstverständlich zu betrachten. In Traunreut besteht schon seit langem eine Kooperation zwischen Landwirten und den Stadtwerken wo der Erhalt der Trinkwasserqualität oberste Priorität hat.

Beispielhaft ist hier eine Anlage mit verschieden Zwischenfruchtvarianten. Diese wurden von Frank Janetzky aus Walchenberg auf einer Demonstrationsfläche im Einzugsbereich eines Wasserschutzgebiets der Stadtwerke Traunreut angebaut. Nun fand zusammen mit dem Werkleiter der Stadtwerke Traunreut, Frank Wachsmuth, dem landwirtschaftlichen Berater der Stadtwerke Traunreut, Wolfgang Hutterer, dem Wasserberater Franz Gmaindl sowie Pflanzenbauberater Simon Bauer, beide vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein (AELF) eine Begutachtung der Bestände statt.

Janetzky erläuterte die wichtigsten Daten zum Anbau der Zwischenfrüchte und seine Motivation zu diesem Versuch: „Ich möchte als Landwirt weiterhin im Wasserschutzgebiet Ackerbau betreiben, ohne unser wertvolles Grundwasser zu gefährden. Deshalb lege ich großen Wert auf gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Wir Landwirte leisten gerne unseren Beitrag für den Erhalt des Grundwassers damit die Bevölkerung mit reinem, nitratarmen Wasser versorgt wird. Mit dem Zwischenfruchtversuch baue ich eine sinnvolle Saatmischung an, die Nitrat bindet, gut für die Biodiversität ist, das Bodenleben positiv beeinflusst und die nachfolgende Frucht optimal unterstützt.“

Die Initiatoren des Projekts, Simon Bauer und Franz Gmaindl vom AELF, gingen auf die Eigenschaften unterschiedlicher Zwischenfruchtvarianten ein: Es werden vier winterharte und sechs abfrierende Mischungen verglichen. Im Wasserschutzgebiet wird dabei besonderes Augenmerk auf die Nährstoffbindung der Zwischenfruchtpflanzen gelegt, um den im Boden frei werdenden Stickstoff in Wurzeln und Blättern zu binden und dadurch vor Auswaschung ins Grundwasser zu schützen. Die nachfolgende Kulturpflanze Mais profitiert von den gebundenen Nährstoffen und kann diese im Wachstum aufnehmen. Die winterharten Zwischenfruchtpflanzen sind dabei am effektivsten, da sie zu jeder Jahreszeit wachsen und Nährstoffe aufnehmen.

Durch die intensive Durchwurzelung einiger Arten wie Ölrettich oder Sonnenblume wird der Boden gelockert und seine Struktur verbessert. Lebende Pflanzen wie auch deren abgestorbene Überreste bedecken den Boden und schützen diesen vor Austrocknung und Erosion. Das Zusammenspiel von Pflanzenwurzeln, Bodenpilzen und Mikroorganismen fördert den Humusaufbau und damit die Speicherung von CO2 im Boden. Die vielen blühenden Arten wie Phacelia, Senf oder Buchweizen bieten den Insekten Nahrung und später ein Winterquartier. Aus der Bodenverbesserung und Nährstoffspeicherung resultieren positive Effekte für Landschaft, Wasser und Umwelt.

Wachsmuth und Hutterer sehen im Klimawandel einen zusätzlichen Risikofaktor für das Grundwasser. Die dadurch bedingten höheren Niederschläge, die höhere Bodentemperatur als auch vermehrte Kalamitäten in den Wäldern führen auf längere Sicht zu steigenden Nitratwerten. „Die Stadtwerke Traunreut sind daher auch auf lange Sicht an einer guten Kooperation mit der Landwirtschaft interessiert.“ so Wachsmuth.

Wolfgang Hutterer, landwirtschaftlicher Berater Stadtwerke Traunreut mit dem Gerät zur Entnahme der Bodenproben, Stadtwerke Traunreut, Versuchsanlage Zwischenfrüchte
Wolfgang Hutterer, landwirtschaftlicher Berater Stadtwerke Traunreut mit dem Gerät zur Entnahme der Bodenproben

Um genauere Erkenntnisse über die einzelnen Zwischenfruchtmischungen zu gewinnen, wurden von Hutterer bei allen Varianten Bodenproben entnommen. Die festgestellten Nitratgehalte im Boden lassen Rückschlüsse auf die Effektivität der einzelnen Mischungen zu. Im Frühjahr soll der Versuch durch Verzicht auf tiefes Umpflügen des Bodens und anschließende Maisaussaat fortgeführt werden.

Die Versuchsanlage beschildert und kann jederzeit besichtigt werden. Sie befindet sich am Ortsrand von Traunwalchen, Richtung Niedling. Trinkwasser ist und bleibt eine schutzbedürftige Ressource der Natur.

vlnr.: Franz Gmaindl (AELF, Traunstein), Frank Wachsmuth (Leiter Stadtwerke Traunreut), Wolfgang Hutterer (landwirtschaftl. Berater der Stadtwerke Traunreut), Simon Bauer (A-ELF, Traunstein), Frank Janetzky (Landwirt, Traunreut).
vlnr.: Franz Gmaindl (AELF, Traunstein), Frank Wachsmuth (Leiter Stadtwerke Traunreut), Wolfgang Hutterer (landwirtschaftl. Berater der Stadtwerke Traunreut), Simon Bauer (A-ELF, Traunstein), Frank Janetzky (Landwirt, Traunreut).